Die Geschichte des Jugendhofes
Geschichte des Jugendhofes Idingen
Die folgende Beschreibung, die die Geschichte der Hofstelle Idingen von ihrem (vermutlichen) Ursprung im Jahre 1605 bis zu ihrem Umbau zu einer modernen Jugendbildungs- und Freizeitstätte darstellt, wurde zur Eröffnung des nunmehr als Jugendhof Idingen bezeichneten Gehöfts von den Teilnehmern/-innen einer von der Kreisjugendpflege initiierten Computer-AG erarbeitet.
Hierbei konnte auf die Ergebnisse eines Seminars in der Jugendbildungsstätte Oerbke zurückgegriffen werden, das im Oktober 1991 unter dem Motto "Wenn alte Mauern sprechen könnten... - Spurensuche auf dem Hof Idingen" stattfand.
Im Rahmen dieses Seminars wurde eine umfangreiche und anschauliche Dokumentation über die Geschichte der Hofstelle Idingen erarbeitet, die heute im Foyer des Jugendhofes ausgestellt ist.
Unterstützt wurden die jungen Leute bei der Suche nach Zeugnissen der Vergangenheit von Herrn Neddenrieb, der die Hofstelle Idingen bewirtschaftete und durch seine lebhaften und anschaulichen Berichte maßgeblich am Zustandekommen der Dokumentation und der vorliegenden Beschreibung beigetragen hat.
Erwähnt sei an dieser Stelle auch, daß am Auf- und Umbau der Hofstelle Idingen zu einer Jugendeinrichtung arbeitslose junge Leute tatkräftig mitgewirkt haben.
Somit war die Hofstelle Idingen seit ihrer Übernahme durch den Landkreis und weit vor ihrer Nutzung als Jugendbildungs- und Freizeitstätte ein beliebter Treffpunkt, aber auch Arbeits- und Beschäftigungsort für viele junge Menschen.
Die auf dem Jugendhof Idingen bereits im Vorfeld seiner Inbetriebnahme geleistete Jugendarbeit hat somit schon jetzt zu einer breiten Akzeptanz dieses neuen Jugendhauses bei Kindern und Jugendlichen geführt. Damit war schon damals ein solides Fundament dafür gelegt worden, daß der Jugendhof Idingen zu einem Ort der Begegnung und zu einem Zentrum von Jugendbildungsarbeit und Jugendsozialarbeit geworden ist.
Chronik des Jugendhofes Idingen
1605 Bau des ersten Bauernhauses auf der Hofanlage
1856 Verkoppelung des Hofes, der damals eine
Größe von 107,9 ha hatte.
1850 / 60 Bau der Scheune.
1892 / 93 Anbau des Jugendstilgiebels an das ursprüngliche
Bauernhaus.
1913 Anschluß des Hofes an die Elektrizität.
1921 / 22 Bau eines Wirtschaftsgebäudes im nördlichen
Hofbereich, das als Getreideboden und Wagenremise
diente. Zum Schroten von Viehfutter wurde
eine Mühle eingebaut.
1929 Umbau des Unterstellschuppens für die
Landmaschinen zu einem Melkerhaus.
Umbau der Scheune: Um einen großen Freiraum
zu erhalten wurden die Kornböden aus
der Scheune entfernt.
1931 Installation einer Zentralheizung mit 300 l-Boiler.
1936 Bohrung eines 17 m tiefen Brunnens zur
Trinkwasserversorgung.
1937 Neubau des Wohn- und Stalltraktes auf den
Fundamenten des ursprünglichen Bauernhauses.
1940 / 41 Pflasterung des Hofes unter Mithilfe französischer
Kriegsgefangener.
1941 Bau einer 10 m x 20 m großen Baracke für
100 Kriegsgefangene, die in der Landwirtschaft
eingesetzt waren.
1960 Erste Erweiterung des Stallgebäudes um
einen Jungviehstall.
1971 Abriß des Schweinestalls.
1970 / 79 Erneuter Anbau an das Stallgebäude zur
Schaffung eines Bullenstalles. Bau einer
Holzgarage neben dem Melkerhaus.
1975 Die Firma Wolff Walsrode nutzt die Räume
im Erdgeschoß des Jugendstilanbaus bis
Ende 1988 als Schulungsstätte.
1979 / 80 Abriß des Treppenspeichers
1988 Die Hofstelle Idingen geht in den Besitz des
Grafen von Nesselrode über.
1990 Ankauf der Hofstelle durch den Landkreis
Soltau-Fallingbostel mit dem Ziel, sie zu
einem Jugend-, Bildungs- und Kulturhaus
umzubauen.
1991 Der Landkreis Soltau-Fallingbostel beschließt,
die Hofanlage mit einem Kostenaufwand von
4,51 Mio. DM in eine Jugendeinrichtung
umzuwandeln.
1992 Beginn der Umbauarbeiten.
1994 Inbetriebnahme der Hofstelle Idingen als
Jugendhof am 1. Juli.
1995 Das Arbeitslosenprojekt TU WAT bezieht
seine Räumlichkeiten im Bauabschnitt II
(ehemaliges Wirtschaftsgebäude; erbaut 1921/22).
Der Um- und Ausbau diese Gebäudes erfolgte
weitestgehend durch arbeitslose Jugendliche
und wurde mit Mitteln des Europäischen
Sozialfonds und des Landes gefördert.
1996 Bau einer Grillhütte durch die Kreisjugendfeuerwehr
Soltau-Fallingbostel.
Zeitzeugnisse
01. Wirtschaftsgebäude
02. Schafstall
03. Treppenspeicher
04. Jugendstilgiebel
05. Wohnhaus
06. Gefangenenbaracke
07. Melkerhaus
08. Schweinestall
09. Holzgarage
10. Stallgebäude
11. Scheune
alter Flurplan
Flurplan von 1873 (Beschreibung unten)
Wirtschaftsgebäude
1. Wirtschaftsgebäude

Das ursprünglich als Wagenremise dienende Gebäude wurde 1921/22 erbaut. Das Dachgeschoß wurde als Kornboden genutzt, von dem aus eine Schrotmühle zur Herstellung von Viehfutter betrieben wurde. Diese Mühle, die durch einen großen Motorwagen (elektr.) angetrieben wurde, befand sich im gemauerten Teil des Gebäudes. Rechts daneben befand sich eine Getreidetrocknungsanlage.
2. Schafstall

Einer Karte aus dem Jahre 1873 ist zu entnehmen, daß sich in unmittelbarer Nähe des späteren Wirtschaftsgebäudes ein Baukörper befunden haben muß, bei dem es sich wahrscheinlich um einen Schafstall gehandelt hat. Dieser Stall muß jedoch schon vor 1927 abgerissen worden sein.
3. Treppenspeicher

Jugendstilgiebel
Der Treppenspeicher, der nach 1970 abgerissen wurde, stand nördlich zum Bauernhaus.
4. Jugendstilgiebel am Wohnhaus

Bauernhaus
Dieser Teil des Wohnhauses wurde um 1892/93 an das alte Bauernhaus (von 1605) angebaut. Im Erker dieses Anbaus (Südseite) befand sich bis zum Umbau 1994 eine ca. 10 qm große Räucherkammer.
5. Wohnhaus

Das Wohnhaus wurde 1937 auf den Fundamenten des ursprünglichen Bauernhauses, das vermutlich aus dem Jahre 1605 stammt, neu erbaut. Aus den beim Abriß des alten Bauernhauses anfallenden Eichenbalken entstanden die Fenster und die Haustür für das neue Wohnhaus. Auch Dachziegeln, die noch nicht beschädigt waren, wurden beim Abriß des alten Hauses aufgehoben, um sie bei der Bedachung des Gebäudes wieder zu verwenden. Gebaut wurde das Bauernhaus mit Mauerziegeln aus Minden, da diese als salpeterfrei galten. Ihr Transport erfolgte auf dem Wasserwege über die Aller bis nach Hodenhagen und dann weiter mit Pferdefuhrwerken nach Idingen.
Im Rahmen des Umbaus zum Seminarhaus im Jahre 1994 wurde die Schleppgaube verlängert, das Dach neu eingedeckt und die Fenster ausgewechselt. Die alte Haustür konnte erhalten werden.
6. Gefangenenbaracke

Die 10 m x 20 m große Baracke für Kriegsgefangene, die als sogenannte Zivilarbeiter auf den umliegenden Höfen arbeiten mußten, stand in unmittelbarer Nähe des Melkerhauses. Insgesamt waren dort bis zu 100 Gefangene untergebracht. Zum Anfang des Krieges handelte es sich bei den Kriegsgefangenen vorwiegend um Polen, während es zum Ende des Krieges Franzosen und Belgier waren. Für die Bewachung der Gefangenen waren drei Soldaten abgestellt.
7. Melkerhaus

Das Melkerhaus diente ursprünglich als Remise für Feldgeräte. 1929 wurde sie zum Melkerhaus umgebaut. Kurz nach Beginn des 2. Weltkrieges wurden in diesem Gebäude bis zu 30 Kriegsgefangene untergebracht, die als Hilfskräfte in der Landwirtschaft arbeiten mußten. In den ersten Kriegsjahren haben hier polnische Gefangene gelebt. Heute steht hier das Bettenhaus.
8. Schweinestall

Dieses Gebäude wurde nach 1970 abgerissen. Reste seines Fundamentes sind auch heute noch zu finden. An der Stelle des ehemaligen Schweinestalls wächst heute eine Hecke.
9. Holzgarage

Stallgebäude
Die Garage entstand nach 1970. Sie konnte zwei PKW's aufnehmen und beinhaltet im hinteren Bereich noch einen kleinen Schuppen und Hühnerstall.
10. Stallgebäude

Scheune
Das Stallgebäude wurde in 3 Etappen erstellt. Mit dem Neubau des Bauernhauses im Jahre 1937 entstand auch der erste Teil des rechtwinklig zum Wohnhaus stehenden Stalls. Seine damalige Größe wird an der senkrecht verlaufenden -hellen- Nahtstelle im Dach sichtbar. 1960 wurde das Stallgebäude verlängert. Die letzte Erweiterung erfolgte dann nach 1970. Heute befinden sich in diesem Gebäude die Fach- und Funktionsräume des Jugendhofes Idingen.
11. Scheune

Die Scheune ist das älteste noch stehende Gebäude auf der Hofanlage. Sie entstand zwischen 1850 und 1860. Ursprünglich diente sie im Dachgeschoß als Kornboden.